Ferroelektrische Hysterese
Ferroelektrische Domänen undPolarisation der Piezokeramik
Ein ferroelektrischer Kristall kann in Raumgebiete unterschiedlicher
Polarisations-richtung eingeteilt werden, sog. ferroelektrische Domänen.
Unter einer Domäne in einem Festkörper versteht man allgemein ein physikalisch
abgegrenztes Raum-gebiet, in dem eine den Zustand des Festkörpers charakterisierende vektorielle Größe überall die gleiche Richtung hat. Diese
charakteristische Größe einer ferroelektrischen Domäne besteht in gleicher Ausrichtung und gleichem Absolutbetrag der spontanen Polarisation. Je
nach Korngröße des polykristallinen Keramikmaterials enthalten die Einzelkristallite nur einige wenige Domänen, abgegrenzt durch sog. Domänenwände.
Bei großen Änderungen der elektrischen Feldstärke bzw. mechanischen Spannung
kommt es zu Domänenwand- Schaltprozessen, d.h. einzelne Raumbereiche werden durch Domänen-Neubildung umgepolt. Diese Schaltprozesse und irreversible
Domänenwandverschiebungen sind u.a. die Ursachen der bekannten ferroelektrischen
Hysteresekennlinien.
Im Herstellungsprozess piezoelektrischer Keramiken sind diese polykristallinen Materialien nach dem Sinterprozess im sog. thermisch-depolarisierten Zustand. Statistisch gesehen existiert eine nahezu gleichverteilte Ausrichtung der
spontanen Polarisationsrichtungen in den Domänen und das Material ist
isotrop, d.h. nicht piezoelektrisch. Durch das Anlegen eines starken elektrischen Feldes E werden diese spontanen Domänenpolarisationen bis zur
Sättigung Ps umorientiert. Es entsteht ein resultierender remanenter Polarisationsvektor parellel zur Richtung des Polungsfeldes und das Material
ist anisotrop bzw.piezoelektrisch.
Direkter Piezoeffekt
Mechanische Spannungen durch Krafteinwirkung von außen auf den piezoelektrischen
Körper induzieren Verschiebungen der positiven und negativen Gitterbausteine,
welche in Dipolmomenten zum Ausdruck kommen. Der damit verbundene Aufbau eines
elektrischen Feldes erzeugt elektrische Spannungen. Vielfach wird dieser direkte
Piezoeffekt in der Literatur auch Generatoreffekt genannt.
Inverser Piezoeffekt
Das Anlegen einer elektrischen
Spannung an einen piezoelektrischen Körper bewirkt dessen geometrische
Deformation im ungeklemmten Zustand. Die erzielte Bewegung ist abhängig von der Polarität der angelegten Spannung und der Richtung des Vektors der
Polarisation. Das Anlegen einer Wechselspannung erzeugt eine zyklische Änderung der Geometrie (z. B. Zunahme bzw. Verringerung des Durchmessers einer Scheibe). Wird der Körper geklemmt, d.h. Behinderung einer freien Deformation, wird
eine mechanische Spannung bzw. Kraft generiert. Dieser Effekt wird vielfach auch Motoreffekt genannt.
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